Diese Wohnung ist ein gutes Beispiel für den Spruch „Kosmetik ist die Kunst, aus der Not eine Jugend zu machen“. Auf den ersten Blick hat sie alles, was das Herz begehrt: viele Quadratmeter, ruhige Lage am See, super Ausstattung, ein schickes Bad, Balkon, Fahrräder und Kanus. Doch das ist Kosmetik. Die Realität holt einen ein mit der schmuddeligen Investruine „Seeterasse“, ein Gastronomiekomplex der wohl schon einige Jahre leerstehend zwischen Müllagerflächen und Bauzäunen den Charme eines Hinterhofs im Plattenviertel versprüht. Die Wohnung befindet sich im Obergeschoss, man gelangt zu ihr über den Hinterhof und eine schmale Treppe zum Balkon, der durch ansehnliche elefantenbeindicke Metallrohre und eine Gasgeruch verbreitende Heizanlage nicht zum Verweilen einlädt. Durch einen langen schmalen Flur gelangt man in eine sehr hübsche Wohnküche. Hübsch wäre sie, würde das dicke Metallrohr nicht die Optik stören, das zu guter Letzt in der Wohnküche endet und - man ahnte es schon: heiße Luft ins Zimmer bläst. Mit der Lautstärke eines Föns. Diese abenteuerliche Konstruktion wird als Heizung vorgestellt - die Heizkörper sind nicht funktionsfähig. Die Kosmetik blättert weiter: die Wanne darf nicht benutzt werden, Internet gibt es nur auf dem Balkon, die Matratzen sind ein Rückenkiller und leider heizt das Gebläse die Schlafzimmer und Bäder nicht mit. Die Fahrräder entpuppen sich als ein Haufen Schrott, die Boote probieren wir da lieber nicht aus. Das schöne Schwerin macht den Ärger nur teilweise wieder gut, sich nach dem Stadtbummel frierend und mit ständigem Brummgeräusch auf die Couch setzen zu müssen, ist nicht der Inbegriff von Erholung. Gut, dass wir nur vier Nächste bleiben mussten. Wir haben uns wieder auf zu Hause gefreut.
Vielleicht ist die Wohnung im Sommer auszuhalten, im Herbst und Winter bitte nicht. Einen Stern gibt es, weil wir zumindest Ansprechpartner hatten und mit weiterer Kosmetik (ein mobiler Heizlüfter, Fahrradmiete zurück) versorgt wurden. Und weil es ein Fernrohr gab, mit dem man die Vögel auf dem See beobachten konnte. Der ist nämlich wirklich sehr schön.